Die Erinnerungen weitergeben

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Ein bisschen nostalgisch war’s beim Foto Talk am letzten Freitag. Aus Günter Zints (komplett anwesendem!) Fotoarchiv tauchten längst verschwundene Menschen, Gebäude und Situationen wieder auf. Welch Chronik! Auch Antonia Zennaro hat einen nostalgischen Blick auf die Reeperbahn geworfen. Ihr gleichnamiges Buch entstand in einem Zeitraum von vier Jahren und zeigt vor allem die Menschen, die ihr Leben auf dem Kiez zugebracht haben, in Bars, Shows und Hotels gearbeitet und gelebt haben. „Mit einigen habe ich erst einmal monatelang Kaffee oder Korn getrunken, bis ich das erste Bild gemacht habe,“ erzählte sie. Auch ihre Technik, sie arbeitete mit einer analogen Großformat Kamera, half ihr, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Mit so einem komischen, altertümlichen Apparat hat die Fotografie auch heute noch etwas von Zauberei!

Auch wir durften im Anschluss an ihre Präsentation noch einen Korn mit Antonia trinken. Und trotz Mittsommer war es draußen bereits dunkel, als wir im Kölibri das Licht ausgemacht haben.

Foto Talk zu Milieu und Mythos

Am Freitag, den 21.6., begrüßen wir Antonia Zennaro und Günter Zint zum Foto Talk!
Los geht es um 20 Uhr mit Fotos gucken und ins Gespräch kommen.

„Mit meiner Arbeit versuche ich die Geschichten und Gesichter nochmal festzuhalten, nochmal aufzugreifen, sie nochmal Teil haben zu lassen in der schnellen Welt des Wandelns,“ so begründet Antonia Zennaro ihre Motivation zum Langzeitprojekt über die Reeperbahn, das dieses Jahr als Buch erschienen ist. Auch Günter Zint kennt alle Ecken und schrägen Vögel des Kiezes. Seit nunmehr fünf Jahrzehnten sind er und seine Kamera hier unterwegs. Einige seiner Fotos sind zu Ikonen geworden. Und als Ikonen haben sie natürlich auch den Mythos von St. Pauli mitgeprägt. Schon beim letzte Foto Talk war zur Sprache gekommen, dass sich eine Werbeagentur für eine große Kampagne ganz gezielt von Hinrich Schultzes Reportagefotos hat inspirieren lassen. Mit der Aussicht sie für ein angemessenes Bildhonorar zu verwenden, dann aber doch ihre eigenen Bilder im gleichen Stil nachinszeniert hat.
So angesagt St. Pauli gerade ist, scheint es unmöglich, sich der Vermarktung ganz zu entziehen. Auch mit dem Projekt “St. Pauli selber sehen” steigern wir – irgendwie – die Aufmerksamkeit. Vielleicht hat der Mythos uns sogar geholfen, eine Förderung für das Projekt zu bekommen… sprechen wir mit Antonia und Günter über die Fallstricke, die zwischen Ikonen, Mythos und Vermarktung geknüpft sind, und die ihren Teil dazu beitragen, dass der alte Kiez verschwindet.